Gas an Bord
 
 
Bombe in der Pantry oder sicherer Energielieferant?
Wie man´s macht, ist´s verkehrt. Das zumindest denkt man, wenn man vor der Frage steht, mit welcher Energie an Bord gekocht oder geheizt werden soll. Ist Kochen mit Gas sicherer oder besser als mit Petroleum? Ist eine Gasheizung geruchsärmer als eine Dieselheizung?
Wir wollen keine Lanze für Gas an Bord brechen. Wir möchten darstellen, was sie beim Einsatz von Gas bedenken müssen, damit diese Energie an Bord sicher genutzt werden kann. Richtig installiert, genutzt und kontrolliert, gehört Gas unserer Meinung nach auch auf einem Schiff zu den sicheren Energielieferanten.
 
   
Prüfbescheinigung
 
Es gibt, genau wie im Wohnwagen und Caravanbereich, Prüfplaketten und -bescheinigungen für Gasanlagen an Bord. Interessanterweise ist das, was für Straßenfahrzeuge vorgeschrieben ist, für Wasserfahrzeuge freiwillig. Zwar unterliegen die Geräte und auch die Installation an Bord durch die Werft einer CE-Norm, doch hat dies nichts mit der Prüfbescheinigung des DVFG (Deutscher Verband Flüssiggas e.V.) zu tun. Wir können nur jedem Skipper raten, die regelmäßigen Prüfungen durch den Fachmann vornehmen zu lassen. Da der Rumpf der Yacht im Gegensatz zum Wohnwagen ein geschlossenes System und Gas schwerer als Luft ist, sollte die Absicherung des Skippers, eine intakte und somit sichere Gasanlage zu haben, noch wichtiger als im Wohnwagen sein.

Deutlich zu sehen im tiefsten
Punkt der Gaskiste der Ablauf

Eine Prüfbescheinigung kann nur von einem Sachkundigen im Sinne der technischen Regeln des DVFG (Deutscher Verband Flüssiggas e.V.) gemacht werden. Neben der optischen Kontrolle des gesamten Gassystems - von der Gaskiste bis zum Verbraucher - erfolgt vor allem eine Dichtigkeitsprüfung. Dies geschieht nach der Druckabfallmethode. Hierfür wird bei 50-mbar-Anlagen ein Druck von 150 mbar und für 30-mbar-Anlagen ein Druck von 90 mbar aufgebaut. Der Prüfdruck muß für fünf Minuten aufrecht gehalten werden. Neben diesem Test gehört auch das Überprüfen der Zündsicherung zum Testprogramm. Am Ende steht dann neben der Bescheinigung auch eine Prüfplakette, die jedem an Bord zeigt, dass das Gassystem geprüft wurde und somit sicher ist.

 
 
   
Selbstkontrolle
 
Neben dieser Absicherung durch den Fachmann sollte aber auch eine Selbstkontrolle durch den Skipper zum Pflichtprogramm gehören. Betrachten wir eine Anlage von der Gaskiste bis zum Verbraucher und versuchen die Fehler- oder Schadensquellen zu finden.
 
 
   
Gaskiste
 
Wir hoffen sehr, dass ihre Gasflasche nicht unmittelbar unter dem Kocher plaziert ist. Diese "bombensichere" Lösung war bis vor wenigen Jahren noch auf einigen Sportbooten zu finden. Die Gasflasche gehört in einen separaten Kasten, entweder als Montage an Deck oder in einen eigenen geschlossenen Raum in dem nur die Gasflaschen aufbewahrt werden.

Stehen die Flaschen an Deck, müssen sie sich in einem belüfteten Kasten befinden, der von Zündquellen und auch vom Niedergang mindestens 0,50 m entfernt ist. Am Häufigsten sind allerdings die von Seiten der Werft installierten Gasschapps. Hier liegen schon zahlreiche Fehlerquellen. Das eine Gaskiste korrosions- und flüssiggasbeständig sein muß, ist jedem genau so klar wie die hundertprozentige Dichtigkeit der Kiste. Ein Holzverschlag kommt also nicht in Frage, es sein denn er ist innen mit GFK ausgelegt und bekommt so seine Dichtigkeit. Falls Gas aus der Flasche oder den Anschlüssen entweicht und sich in der Gaskiste sammelt, muß es irgendwie außenbords gelangen können. Dies ermöglicht ein Ablauf, der sich im tiefsten Punkt der Gaskiste befindet. Den Vorschriften nach sollte hier ein Querschnitt von mindestens 2 cm² vorhanden sein. Häufig beginnen die Probleme hinter dem Ablauf. Dieser muß mit stetigem Gefälle außenbords gehen. Wir fanden in der Vergangenheit in Testschiffen mehrfach einen Ablaufschlauch, der wie ein Schwanenhals gekrümmt oder mit einer Senke versehen war. Kommt nun Wasser in den Schlauch so ist der Ablauf verschlossen. Genauso kann ein Ablauf in das Cockpit, wenn dieses nicht selbstlenzend ist, sehr gefährlich werden. In den meisten Fällen ist die Abflußöffnung am Spiegel angebracht. Hier sollte man bei Fahrt schauen, ob sie so hoch ist, dass sie nicht vom Wasser umspült wird.

Der nächste Blick gilt den Anschlüssen auf der Flasche. Hier müssen bis zu drei verschiedene Komponenten geprüft werden. Unmittelbar auf der Flasche sitzt ein aufgeschraubtes Ventil. Dies kann sich bei Maschinenfahrt etwas lösen, deshalb sollte beim Öffnen dieses Ventils auch der feste Sitz geprüft werden. Im Anschluß ist der Druckregler montiert. Je nach Anlage (30 oder 50 mbar) regelt er den hohen Flaschendruck herunter. Neben der festen Verschraubung kann man bei einigen Reglern kontrollieren ob sie funktionstüchtig sind. Ein kleiner roter oder auch gelber Plastiknippel zeigt dies an.


So sollte Ihre Gaskiste aussehen, mit
Gasfernschalter und intaktem Druckregler
 

Auch die Gaskiste in der Backskiste ist
machbar, sofern sie alle Aspekte der
Prüfungsliste erfüllt
 
 
   
Gasfernschalter
 
Wir empfehlen, dass sich noch in der Kiste eine weitere Komponente anschließt, der Gasfernschalter. Zwar heißt es, dass nach Benutzung des Gasverbrauchers immer das Ventil auf der Flasche zu schließen ist, nur wer macht das schon. Bei Nieselregen aus dem warmen Salon raus, um achtern am Gasschapp ein Rädchen zu drehen, erfordert sehr viel Disziplin.Da ist es schon einfacher, man kann aus der Pantry mit einem Schalter ein Magnetventil direkt auf der Flasche ganz einfach öffnen oder schließen.

Die Installation dieses rund 150 EUR teuren Gerätes ist einfach und auch für Laien machbar. Der Schalter wird zwischen Regler und Schlauch gesetzt. Wichtig ist, dass der Anschluß der Elektroverbindung außerhalb der Gaskiste liegt. Das Kabel muß also durch die Wand der Gaskiste. Die Öffnung muß mit einem Dichtmittel verschlossen werden und die Lüsterklemmen müssen außerhalb des Schapps liegen, denn sonst könnte es bei Funkenbildung in der Gaskiste zur Katastrophe kommen. Die Montage kann und darf durch den Laien erfolgen, doch sollte anschließend die Anlage durch den Fachmann kontrolliert werden. Dies gilt im Übrigen für alle Veränderungen oder Ergänzungen an der Gasanlage.

 
 
   
Schlauch- und Rohrinstallation
 

Vom Gasfernschalter bis zum Anschluß an das Kupfer- oder Stahlrohr wird ein bis zu 400 mm langer Schlauch zwischengesetzt. Dieser Schlauch sollte nie mit Schlauchschellen befestigt sein, sondern mittels Schneidringen. Fertige, zugelassene Gasschläuche sind an einem gelben Plastikring zu erkennen. Bevor nun das Gas die Kiste verläßt, gibt es eine weitere Fehlerquelle. Das Rohr darf nie direkt durch die Wand führen. Hier muß eine sogenannte Schotverschraubung zwischengesetzt sein. Nur so wird sichergestellt, dass es bei Vibrationen nicht zum Bruch des Rohrs in der Durchführung kommt. Auch in diesem Bereich haben wir immer wieder in der Vergangenheit Kupferrohre gesehen, die in einem dicken Silikonbett durch die Schotwand geführt wurden.

Zwei Materialien stehen für die nun anschließenden Rohre zur Verfügung: Stahl oder Kupfer. Bei Stahlrohren sind verschiedene Vorschriften zu beachten. Sie müssen zum Beispiel der DIN 2391, der DIN 2393 oder auch der DIN 2464 entsprechen. So werden Vorgaben gemacht über Außendurchmesser, Mindestwanddicke, Art der Verschweißung und Art des Stahls. Auch nicht jedes Kupferrohr kann zum Einsatz kommen. Es sind die Vorschriften der DIN 1786 oder 17671 zu beachten. Bei der Kontrolle der existierenden Anlage hinsichtlich der richtigen Rohre ist der Laie sicherlich überfordert. Dies kannnur der Fachmann beurteilen. Aber ob die Rohre gut und damit sicher verlegt wurden, kann aber auch ein Ungeübter erkennen. Stahlrohre müssen in einem Abstand von maximal einem Meter gegen mechanische Beschädigung und dynamische Beanspruchung durch Halterungen fixiert werden. Bei Kupferrohren beträgt dieser Abstand sogar nur 50 Zentimeter.

 
 
   
Gasverbraucher
 
Die gesamte Gasanlage kann nur dann sicher sein, wenn auch die Endgeräte dem vom DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) gesetzten Maßstab entsprechen. Alle Geräte, egal ob Kocher, Raumheizer oder Wasserheizer, müssen anerkannt und mit thermoelektrischen oder gleichwertigen Zündsicherungen ausgerüstet sein. Nur funktionierende Zündsicherungen verhindern, dass ungewollt Gas ausströmt. Denn durch Wind, der in die Pantry fegt, oder durch überschwappendes Wasser, kann die Flamme ausgehen. Da ist es dann sehr wichtig, dass am Kocher die Gaszufuhr automatisch gestoppt wird. Die maximale Schließzeit liegt bei 60 Sekunden.

Diese Zündsicherungen sollte man immer wieder auch selbst überprüfen. So kommt es bei kardanisch aufgehängten Kochern manchmal zu mechanischen Beschädigungen am Drehknopf. Hierauf sollte bei der Kontrolle genauso Wert gelegt werden wie auf Verschmutzung durch Speisereste.

Neben der Kontrolle des Gerätes darf auch ein Blick auf Gasschlauch und Absperrhahn hinter dem Gerät nicht fehlen. Der Schlauch sollte eine Länge von 60 cm nicht überschreiten und muß die DIN 4815 erfüllen. Er darf bei seinem Weg zum Endgerät nicht durch Schotwände führen. Auch hier müßte sonst eine separate Schotdurchführung installiert werden.

 
 
   
Welche Gasflasche?
 
Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Gasflaschen. Große rote, kugelige Gelbe, kleine Blaue und triste Graue - fast die gesamte Farbpalette ist zu finden. Wer ins Ausland reist oder ein gebrauchtes Schiff im Ausland gekauft hat, kann da schon seine böse Überraschung erleben. Viele Gasflaschen sind in Deutschland nicht oder nur schwer zu bekommen. Die gängigen Flaschen, die wir an Bord haben, sind blau und grau. Dabei sind die "Blauen" am stärksten verbreitet. In zwei Größen werden sie angeboten. 1,80 kg Gas mit einer Flaschenhöhe von 19 cm oder 2,75 kg Gas mit einer Flaschenhöhe von 24 cm. Und eben diese Ausmaße sorgen für die starke Verbreitung der kleinen blauen Gasflaschen. Gegen sie spricht ganz klar der Gaspreis.

Kostet eine kleine 1,80 kg Flasche ca. 15 EUR und die etwas größere 2,75 kg Flasche 20 EUR , so steht dies in keinem Verhältnis zu den 6 EUR der 5 kg fassenden großen grauen Gasflasche. Nur sind halt die fast 50 Zentimeter Flaschenhöhe häufig sehr schwer in einem geeigneten Gasfach unterzubringen. Haben wir in den blauen Flaschen ein Butan-Gemisch so befindet sich in den grauen eine Propanfüllung. Propan hat neben dem sehr günstigen Preis auch den Vorteil, bei niedrigen Außentemperaturen noch einsetzbar zu sein.

 
 
   
Wieviel Gas habe ich noch?
 
Da gibt es die Schüttler und die Manometerleser und beide können keine exakten Aussagen machen. Durch Schütteln der Gasflasche kann man zwar feststellen ob flüssiges Gas noch in der Flasche vorhandenist, die Menge lässt sich aber nur über das Gewicht bestimmen. Auch am Manometer, das als Zusatzgerät auf der Gasflache sitzen kann, ist die Füllmenge nicht abzulesen. Der Druck der Flasche ist leer wie voll der Gleiche...

Allerdings verändert er sich in Abhängigkeit von der Temperatur und so kann es bei Sonneneinstrahlung oder Abkühlung zu unterschiedlichen Werten auf dem Manometer kommen. Dies hat dann jedoch nichts mit der Füllmenge zu tun. Die einzig wirklich sichere Methode ist das Wiegen. Auf der Gasflasche steht neben dem Gesamtgewicht auch das Gasgewicht. So läßt sich das Leergewicht des Metallkörpers einfach errechnen und durch Wiegen kann die noch verbleibende Gasmenge genau festgestellt werden.

Informationen über Sachkundige, die Prüfbescheinigungen erstellen, bekommt man bei:

Deutscher Boots- und Schiffbauer-Verband e.V.
Postfach 301227, 20305 Hamburg, Tel.: 0 40 - 35 28 17

Deutscher Verband Flüssiggas e.V.
Westerbachstraße 23, 61476 Kronberg im Taunus, Tel:. 0 61 73 - 92 69 11

 
   
 
   
aus Skipper 06/2003
Autor: Ulrich Holstermann