Tauwerk
 
 
   

Das richtige Seil für jede Anwendung

Die große Anzahl verschiedener Seilkonstruktionen und der Einsatz immer mehr neuer Materialien, aber auch die notwendige Einhaltung internationaler Normen, macht die Bestimmung des jeweils optimalen Tauwerks nicht leicht. Wir möchten Ihnen daher einige grundsätzliche Hinweise geben, die es Ihnen erleichtern sollen, in unserem breitgefächerten Fertigungsprogramm das geeignete Seil für jeden Einsatzzweck zu finden.

 

Gedrehte oder geflochtene Seile?
 

Für viele Anwendungen werden auch heute noch gedrehte Seile verwendet. Trotz einiger Verbesserungen durch moderne Fertigungsmethoden sind jedoch gedrehte Seile den geflochtenen Seilen in bestimmten Anwendungsbereichen unterlegen.

Einfache Spleißbarkeit, der günstige Preis und eine griffige, tiefrillige Oberfläche werden dem gedrehten Seil auch in Zukunft einen sicheren Marktanteil erhalten. Im Gebrauch sollte beachtet werden, dass die Seildrehung in der Konstruktion nicht verloren geht. Das Seil darf sich nicht aufdrehen, sondern muss geschlossen bleiben, was durch ein paar gelegentliche Zudrehungen vom Ende bzw. einer Schlaufe her leicht zu erreichen ist. Dies ist besonders wichtig bei Chemiefaserseilen mit sehr glatter Oberfläche, wie z. B. Polyester, Polyamid oder Polypropylen.

Geflochtene Seile lassen sich technisch dagegen weit vielfältiger aufbauen. Beginnend beim 3-fach-Geflecht über herkömmliche 8-fach-Geflechte bis zu komplizierten Kernmantel-Verbundkonstruktionen aus unterschiedlichen Materialien können geflochtene Seile dem jeweiligen Anwendungszweck optimal angepasst konstruiert werden. Hierbei stellt auch die Spleißbarkeit der einzelnen Konstruktionen heute kein Problem mehr dar.

 
 
   
Seile aus Natur- oder Synthetikfasern
 

Die Eigenschaften von Naturfasern sind naturgegeben und daher in ihren Anwendungsmöglichkeiten begrenzt. Der Marktanteil von Naturfaserseilen ging in den letzten Jahren ständig zurück. Neuerdings ist jedoch - aufgrund des gestiegenen Umweltbewußtseins der Verbraucher - eine wachsende Rückbesinnung zu beobachten.

Synthetische Fasern sind Naturfasern in der Praxis meist weit überlegen und werden ständig weitereintwickelt. Ihre Eigenschaften sind so unterschiedlich, daß die richtige Materialwahl für den Verbraucher oft schwierig wird.

 
 
   
Welche synthetischen Fasern eignen sich für welche Einsatzbereiche?
 

Die folgende Darstellung der wichtigsten Eigenschaften der am meisten verwendeten Fasern soll Ihnen als erste Entscheidungshilfe dienen.

Polyamid PA (Markennamen: Perlon, Nylon, Nylsuisse, Enkalon) verbindet hohe Festigkeit mit hoher Dehnung, quillt aber im Wasser etwas auf und ist nicht komplett beständig gegen einige Säuren und UV-Strahlung.

Polyester PES (Markennamen: Diolen, Trevira, Dacron, Tersuisse) hat bei guter Festigkeit wenig Dehnung, ist relativ schwer, dafür aber sehr beständig gegen Witterungseinflüsse, sowie die meisten Chemikalien.

Polypropylen PP (Markennamen: Leolene, Softlene, etc.) ist verhältnismäßig preisgünstig, sehr leicht und schwimmfähig, jedoch nicht so gut hinsichtlich Abriebfestigkeit und Temperaturbeständigkeit. PP hat eine sehr gute chemische Beständigkeit.

Aramid AR (Markennamen: Kevlar, Twaron, Technora) ist eine der wichtigen organischen Chemiefasern und wird heute in einer Vielzahl industrieller Anwendungen eingesetzt. Zusätzlich zu seiner hohen Festigkeit bietet Aramid ausgezeichnete Wärmebeständigkeit, sehr gute Dimensionsstabilität und geringe Dehnung. Aramid korrodiert nicht und widersteht dem Angriff durch Lösungsmittel; außerdem ist es hitze- und flammfest, sowie nicht leitend.

Polyethylen, hochfest PE (Markennamen: Dyneema, Spectra) ist eine neue, hochfeste Polyethylenfaser mit einem sehr geringen spezifischen Gewicht, jedoch beinahe fünfmal so stark wie vergleichsweise Polyamid oder Polyester (bei gleichem Gewicht). Dyneema ist aufgrund dieser Tatsache schwimmfähig und verfügt über die geringste Bruchdehnung aller synthetischen Garne. Die Beständigkeit gegen Chemikalien ist von allen Chemiefasern am besten. Insbesondere, wenn aufgrund konkurierender Kriterien (Festigkeit, Dehnung, Temperaturbeständigkeit, Preis, etc.) eine eindeutige Entscheidung nicht möglich ist, kann nur das Studium der Vergleichstabellen und sorgfältiges Abwägen der jeweils individuell wichtigsten Eigenschaften im Hinblick auf den geplanten Einsatzbereich zu einer optimalen Auswahl führen.

PBO (Markenname: Zylon): Hochfestfaser mit sehr hoher Festigkeit, geringster Dehnung, extremer UV-Empfindlichkeit und sehr hoher Hitzebeständigkeit bis über 500 Grad Celsius. Nur bedingt über längeren Zeitraum nutzbar.

LCP (Markenname: Vectran) zeichnet sich durch extrem geringe Dehnung aus. Dabei tritt auch bei dauerhaft hohen Lasten kein "Kriechen" der Faser auf. Vectran hat eine hohe Hitzebeständigkeit. Die Lichtbeständigkeit ist jedoch schlecht, was man durch das Umflechten der Faser erfahrungsgemäß bestens umgehen kann, jedoch sollte ein Abmanteln vermieden werden.

Für weitergehende Fragen zu Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten unseres Tauwerkprogrammes stehen wir Ihnen immer zur Verfügung. Es gibt fast für jeden Einsatz eine optimal passende Faser und die entsprechende Seilkonstruktion.