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Der Sturm im Klartext
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Was kann sich ein Skipper mehr wünschen als ständig mit nautischen Warnnachrichten speziell für sein Seegebiet versorgt zu werden? Natürlich umfassende und genaue Wettervorhersagen, denn die sind für die Sportschifffahrt meist wichtiger als Meldungen über erloschene oder vertriebene Tonnen. Und wenn das Ganze auch noch weltweit und vollautomatisch funktioniert, in eine kleine Kiste verpackt ist und auf Wunsch auch ausgedruckt werden kann - um so besser. Was noch vor wenigen Jahren als ein Ding der Unmöglichkeit erschien, ist inzwischen Wahrheit geworden, auch wenn es hier und da noch Lücken in der Abdeckung gibt. Das Navtex-System arbeitet zuverlässig und wird weltweit immer mehr ausgebaut. Navtex ist Teil des Global Marine Distress and Safe Systems (GMDSS), das 1978 von den 144 Mitgliedsländern der International Maritime Organisation (IMO) verabschiedet wurde. Schritt für Schritt werden bestimmte Mindestausrüstungen an Bord nötig - allerdings nur auf ausrüstungspflichtigen Schiffen sprich in der Berufsschifffahrt. Gleichzeitig gehört Navtex zum World Wide Navigational Warnig Service (WWNWS). Die Sportschifffahrt ist von jeglichen IMO-Regelungen ausgenommen, kann sich aber natürlich freiwillig ausrüsten. Das ist auch in bestimmten Fällen dringend angeraten, denn in absehbarer Zeit wird unter Umständen jegliche Kommunikation nur noch mit GMDSS-konformen Geräten möglich sein. Und dazu gehört auch Navtex, seit 1993 Pflichtausrüstung für die Berufsschifffahrt. Nun sind die Betreiber von Navtex-Sendern lediglich dazu verpflichtet, Wind- und Sturmwarnungen zu senden. Das bedeutet, nur wenn 7 Beaufort und mehr angesagt sind, müssen die Schiffe in dem betreffenden Seegebiet per Navtex gewarnt werden. Regelmäßige Seewetterberichte aber, in denen die Wetterlage erläutert wird und die auch genaue Vorhersagen für bestimmte Teilgebiete enthalten, werden nur von einigen wenigen Stationen ausgestrahlt. Aber auch diese Wetterberichte sind nicht allzu umfangreich, da sich die Betreiber verpflichten mussten, einen bestimmten Höchstumfang pro Meldung nicht zu überschreiten. Alle Navtex-Meldungen werden weltweit auf der Frequenz 518 kHz grundsätzlich nur in englischer Sprache und im Sendeverfahren FIB ausgestrahlt. Dabei werden Signale durch Umschaltung zwischen zwei Frequenzen übermittelt. Um eine möglichst fehlerfreie Übertragung von Meldungen zu garantieren, werden Navtex-Meldungen nach dem sogenannten Sitor-B-Modus gesendet. Jedes einzelne Zeichen wird in einem bestimmten Abstand wiederholt, so dass die empfängereigene Software Übermittlungsfehler erkennen und beheben kann. Nach den IMO-Vereinbarungen soll jeder Navtex-Sender rund um die Uhr eine Mindestreichweite von 200 Seemeilen garantieren. Da manche Länder, zum Beispiel in Südafrika und in Afrika, sehr lange Küstenlinien haben, müssten zur lückenlosen Abdeckung viele Sender aufgestellt werden. Um Kosten zu sparen, wurde die Kurzwellen-Frequenz 4209,5kHz zur zweiten offiziellen Navtex-Frequnez erklärt. Damit überbrückt Navtex leicht Entfernungen von vielen tausend Meilen - abhängig von Tageszeit und Wetter. Horta auf den Azoren und Buenos Aires in Argentinien sollen demnächst den Probebetrieb auf dieser Frequenz aufnehmen, auf der ebenfalls nur in Englisch gesendet wird. Auf der dritten zugelassenen Navtex-Frequenz 490 kHz kann jedes Land zusätzlich neben 518 kHz Meldungen in der jeweiligen Landessprache senden. Uns ist allerdings bisher noch kein Sender bekannt, der diese Frequenz nutzt. Navtex-Decodierer, die über einen externen Empfängereingang verfügen, können bereits auf allen drei Frequenzen empfangen. Spezielle Dreikanal-Navtex-Empfänger, die für die Berufsschifffahrt zugelassen sind, gibt es bislang noch nicht. Jede Navtex-Station ist mit einem Buchstaben gekennzeichnet. Man kann jeden Empfänger so einstellen, dass man nur die Meldungen eines einzigen definierten Senders empfängt. Das muss auch sein, denn durch Überreichweiten einzelner Stationen vor allem nachts konnten wir während unseres Tests an Bord der Fähre "Hamburg" auf der Fahrt nach Harwich in England sogar den (testweise eingeschalteten) Navtex-Sender Split im ehemaligen Jugoslawien empfangen. Hat man die Station ausgewählt, hat der Benutzer die Möglichkeit zu wählen, welche Arten von Nachrichten er empfangen will. |
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Die Gruppen sind ebenfalls mit Buchstaben gekennzeichnet:
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A = Nautische Warnmeldungen
B = Windwarnungen C = Eismeldungen D = Seenotmeldungen E = Wetterberichte F = Lotsenmeldungen G = Decca-Meldungen H = Loran-Meldungen I = Omega-Meldungen J = Satnav-Meldungen K = Meldungen über andere elektronische Navigationssysteme, auch GPS L = Nautische Warnmeldungen (wie A) V,W,X,Y = Versuchsbetrieb Z = zur Zeit liegen keine Meldungen vor Bis auf die Gruppe A, B und D lassen sich die Meldungen aus den anderen Gruppen ausblenden. Jede einzelne Meldung beginnt mit der Buchstabenfolge ZCZC und endet mit NNNN. Jede Nachricht ist mit einer Nummer versehen, damit man sofort erkennen kann, ob es sich um eine Wiederholung handelt. Vor allem nautische Warnungen erledigen sich häufig recht schnell, dann wird die Aufhebung der Nachricht XYZ gesendet. Auch wenn man nur Meldungen der drei nicht ausblendbaren Gruppen empfängt, kann unter Umständen in kurzer Zeit eine große Menge bedruckten Papiers anfallen. Wer sich für einen Navtex-Empfänger mit eingebautem Speicher und Bildschirm entscheidet, kann sich jede Nachricht erst ansehen und bei Bedarf ausdrucken. Die Sendezeiten benachbarter Navtex-Sender sind so aufeinander abgestimmt, dass man sich nicht ins Gehege kommt. Zum Beispiel sendet Gislövshammar (J) in Südschweden nautische Warnnachrichten und Windwarnungen jeweils um 0330, 0730, 1130, 1530, 1930 und 2330 UTC. Die Wetterberichte sind in den Berichten um 0730 und 1930 UTC enthalten. Da es auf dem Gebiet der Bundesrepublik keinen Navtex-Sender gibt, kommt gen Westen die Station IJmuiden (P) in Holland in Frage. Sie sendet nautische Warnmeldungen und Windwarnungen immer um0348, 0748, 1148, 1548, 1948 und 2348 UTC. Spezielle Wetterberichte sind nach der neusten Ausgabe der Admirality List of Radio Signals Vol. 3 (Radio Weather Service and Navigional Warnings), in der alle Navtex- und Wettersender der Welt mit den entsprechenden Vorhersagegebieten aufgeführt sind, nicht vorgesehen. Warnmeldungen werden auch grundsätzlich unmittelbar nach Eingang der Nachricht gesendet. Wichtig für den einwandfreien und störungsfreien Betrieb der Navtex-Empfänger ist natürlich die Antenne. Einige Hersteller bieten eine angepasste Stabantenne an, fast alle Geräte können aber auch an Langdrahtantennen, wie das isolierte Achterstag, angeschlossen werden. Wir haben während unseres Testes auf den Fährschiffen "Hamburg" und "Finnjet" mit einem angepassten Langdraht die besten Erfahrungen gemacht. Anpassen bedeutet, dass das Antennensystem auf einen Wellenwiderstand von 50 Ohm gebracht wird. Mit dem abgeschirmten Zuleitungskabel und speziellen Steckern ist das kein Problem, nur mit dem Draht selbst wird es schwierig. Idealerweise müsste seine Länge einem Viertel der Wellenlänge l entsprechen. Bei einem l von 579,15 Metern wären das stolze 144.79 Meter. So lang aber ist kein Achterstag, so dass man sich mit spezieller Elektronik behilft, die das aufgefangene Signal so verlustfrei wie möglich an das abgeschirmte Antennenkabel weiterleitet. Das ist zum Beispiel bei sogenannten Balun-Antennen der Fall. Einige Navtex-Empfänger müssen für einen einwandfreien Empfang gut geerdet sein und sind deshalb mit einem entsprechenden Anschluss versehen. Störungen in der Spannungsversorgung des Bordnetzes, zum Beispiel hervorgerufen durch manche Kühlaggregate, können ebenfalls zu Empfangsproblemen führen. Alle getesteten Empfänger sind mit einem internen Speicher ausgerüstet, so dass die ankommenden Meldungen auch später gelesen beziehungsweise ausgedruckt werden können. Einige Geräte produzieren einen akustischen Alarm, wenn das Papier zu Ende geht, und zum Teil auch, wenn nautische Warnmeldungen kommen. Von den acht Testobjekten können fünf nur spezielles Thermopapier verarbeiten, zwei haben eingebaute Nadeldrucker, die Normalpapier verwenden, und nur ein Gerät verfügt über keinen Drucker. Zwei Systeme sind mit externen, durchstimmbaren Empfängern konzipiert und können neben Navtex auch Morse und Telex dekodieren. Besonders flexibel ist das Sealink-System, das einen für spezielle Programmkarten entwickelten Taschenrechner von Sharp verwendet. Mit der Weathercard wird er zum Decoder und mit der Navcard unter anderem zum Astro-Rechner. Beide Karten wurden vom Anbieter entwickelt, weitere Karten für viel kaufmännische und technische Belange bietet Sharp selbst an. Einige Navtex-Empfänger sind mit einer Schnittstelle bestückt und können Zeit- und Positionsmeldungen von GPS-Geräten im Internationalen Datenformat NMEA 0183 empfangen. In zum Teil einstellbaren Zeitabständen werden dann Uhrzeit und geographische Position gespeichert beziehungsweise ausgedruckt. Problematisch ist die Situation mit den Zulassungen. Gültig sind FTZ und BTZ (alte und neue Postzulassung). Seit neustem müssen alle Geräte auch der CE-Norm und damit dem Gesetz über elektromagnetische Verträglichkeit entsprechen. |
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